Leben religiöse Menschen gesünder?
Auf den ersten Blick spricht nichts direkt dafür, dass religiöse Menschen tatsächlich gesünder leben. Schnell fallen manch einem mittelalterliche Bilder von dicken Mönchen mit hochroten Backen ein, die lachend einen Wein- oder Bierkrug schwenken. Doch dagegen stehen Berichte von joggenden Erzbischöfen der Gegenwart oder die Informationen über das arbeitsreiche und ansonsten recht gesunde Leben des derzeitigen Papstes. Auch der berühmte Pater Anselm berichtet über lange Arbeitstage, frühe Morgengebete und seine verantwortungsvolle Position im Kloster - dazu schrieb er zahllose Bücher zu unterschiedlichen Themen -, aber seine Ausgeglichenheit resultiert aus dem festgelegten Zeitplan, der Harmonie der Tagesabläufe. Und diese stellt am Ende den inneren Frieden her, der nicht zuletzt großen Anteil an einem gesunden Leben trägt.
Tatsache ist, dass Ernährung, Sport, Arbeit und Erholung in einem ausgewogenen Kontext stehen müssen. Gegen lange Arbeitstage ist nichts einzuwenden, denn sie lassen sich nicht immer vermeiden. Wird die Arbeit gern getan, verursacht sie keinen Disstress, die negative Form permanenter Erregung. Doch Erholungszeiten sind wichtig. Ausreichender Schlaf, das Nickerchen am Nachmittag und die Entspannung am Abend gehören unbedingt dazu. Wenige Minuten Pause nach ein, zwei Stunden reichen manchem Zeitgenossen sogar aus.
Das wirklich religiöse Leben beinhaltet meist auch eine gesunde Ernährung. Klosterkost ist sparsam und ökologisch und die Kirchenausstattung der Küche genau darauf eingerichtet. Auch der einfache Mann aß lange Zeit freitags Fisch und nur am Wochenende Fleisch. Süßes gab es wenig und nur zu den Festtagen wie Weihnachten oder Ostern wurde aus dem Vollen geschöpft. Und es wurde viel körperlich gearbeitet, was den Kalorienverbrauch hochschraubte.
In dem festen Glauben an das richtige Leben, in Gebeten und Andachten steckt zudem viel Kraft. Wer sich auf ein nach Kirchenansicht gottgefälliges Leben einlässt, atmet tiefer und schützt sein Herz. Sein Widerstand gegen äußere Unannehmlichkeiten ist deutlich stabiler. Insofern lässt sich wohl zustimmen, dass tief religiöse Menschen auf jeden Fall ziemlich gesund leben.
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